Ich wünschte es wäre anders.

Ich wünschte ich hätte mehr Vorfreude. Auf das Treffen, mit dir. Mehr Aufregung, mehr von diesem „was kann passieren“ und diesem „ich möchte dich wirklich kennenlernen“. Erinnere mich daran, wie es mal gewesen ist, mit der Vorfreude, mit diesem Aufgeregtsein und diesem leichten Zittern, wenn ich losgehe. Den weichen Knien, diesem klopfenden Herzen, diese Spannung auf all das was sein könnte, mit uns.

Ich wünschte ich hätte mehr Spaß daran. An mir, an dir. Habe meine Rolle perfektioniert, jede Bewegung ist koordiniert, mein Lachen, mehr Schein als Sein. Dir scheint es zu gefallen. Erinnere mich daran, wie es mal gewesen ist, mit dem Spaß, mit den Witzen und dem wahren Interesse an dem Gegenüber, den langen Blicken in die Augen, dem leichten Grinsen und dem verlegenen Wegsehen, weil man wirklich Lust bekommt. Lust auf dich, Lust auf uns.

Ich wünschte ich wäre optimistischer. Mit dir, mit uns. Ein Blick, eine leichte Umarmung die in einem lieblosen Kuss endet, der gemeinsame Weg zurück in eine gemeinsame Nacht. Erinnere mich daran, wie es mal gewesen ist, mit dem Optimismus, als du dich nicht rausgeschlichen hast, sondern geblieben bist. Als du dich tatsächlich gemeldet hattest, wie ausgemacht und wir uns vielleicht noch einmal gesehen hätten. Optimistisch darauf, dass das mit uns tatsächlich etwas werden könnte.

Ich wünschte ich wäre verliebter. In dich, in uns. Ein Kuss, ein Blick, eine Berührung, die alles bedeutet. Vorfreude auf ein Treffen mit dir, auf eines, auf zwei, auf zahlreiche, den Spaß und den Optimismus, kleine Momente und Erinnerungen, die mich lächeln lassen, weil ich so verliebt in dich wäre.

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Erinnerungen, die nie passiert sind.

Mein Kopf ist voll dieser Erinnerungen, die nie passiert sind. Unser erster gemeinsamer Urlaub, Salzwasser in deinem Haar, dein breites Grinsen, weil diese Tage am Meer dir so unendlich gut tun. Wie sitzen bis spät in die Nacht am Wasser und graben unsere Füße in den Sand. Manchmal denke ich auch an unseren gemeinsamen Umzug. Diese riesige Wohnung, nur für uns zwei. Wir suchen verzweifelt einen passenden Tisch der in die Küche passt, wir schrauben Regale zusammen und lachen uns halb tot als diese beim Einräumen komplett in sich zusammen krachen. Abends fallen wir dann total erschöpft ins Bett und freuen uns auf unser gemeinsames Leben in dieser viel zu großen Wohnung. In meinen Erinnerungen sind wir glücklich. Alles ist so gelaufen wie wir es uns gewünscht haben und alles ist umhüllt in diesen Schleicher von sepia, der alle Momente noch goldener macht, als sie ohnehin schon sind. Leider habe ich viel zu spät bemerkt, dass all diese Erinnerungen nur mein Wunsch waren. Ich habe nie bemerkt, dass du etwas ganz anderes vor hattest mit deinem Leben, nicht unserem. So bleiben diese Erinnerungen nur Erinnerungen die nie passiert sind und ich hänge sehr an ihnen.

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Die bessere Hälfte.

Viele haben sie ja schon, einige suchen sie noch und viele verwenden sie vollkommen falsch: Die „bessere Hälfte“. Während ich eher auf der Suche nach der besseren Obsthälfte bin, der besseren Gesichtshälfte, der besseren Lebenshälfte,… da ist mir eh nicht mehr zu hälfen. Diesen Sommer aber, haben sich schon wieder zig andere Hälften gefunden und ich bleibe außen vor. Vielleicht bleibe ich besser bei Kuchenhälften, oder Tortenhälften. Denn man sollte doch gar nicht nach einer „besseren Hälfte“ suchen, niemals. Sind wir nicht voll und ganz gut, oder vielleicht sogar besser, so wie wir sind? Denn ist man so wunderbar zufrieden mit seinem eigenen, großen Ganzen und findet dann noch ein anderes, wunderbares Ganzes, dann ist man doch viel besser als all diese „besseren Hälften“ miteinander. Zusammen ist dann niemand eine Hälfte, zusammen ist man gemeinsam besser. Und wenn man dann lange getrennt war und sich endlich wieder in die Arme schließt, dann kann man mit wahren Worten sagen: „Weißt du, ich habe dich vermisst. Nicht, weil ohne dich nichts Spaß macht, das tut es sehr wohl, sondern weil es mit dir einfach um so viel mehr Spaß macht.“

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So verliebt.

Als ich ihn fragte, da wurden seine Augen rot und feucht. Ich hatte mich  nicht getraut weiter nachzuhaken und schwieg einfach, genauso wie er. Er kämpfte mit seinen Tränen, das war ihm anzusehen und ich stand nur da und wusste nicht was ich sagen sollte, also schwieg ich weiter. Sein Gesicht wirkte leer, sein Blick so tief verletzt, so unfassbar traurig. Sie war alles für ihn gewesen. Und obwohl er so unendlich enttäuscht war, sah er doch so wahnsinnig lebendig aus. Ich war beinahe neidisch. Der Schmerz machte ihn so menschlich, greifbar, und ich fragte mich, wieso es mir nicht mehr möglich war so lebendig zu sein, so menschlich, so greifbar… so verliebt.

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Die Kunst des Schwimmens.

„Ich werde jetzt anfangen zu studieren. Irgendwas mit Medien.“ Es war lange her als ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Damals wollte sie noch „Irgendwas mit Menschen“ machen, zumindest hatte sie mir das mit Buntstiften in mein Poesiealbum gekritzelt. „Irgendwas mit Medien“ war es jetzt also. Sie war schon immer eine verdammt gute Schülerin gewesen, da ist es nur verständlich dass ihr alle Türen offen stehen wo sich für mich bereits einige geschlossen hatten. Und wenn ich von verschlossen rede, dann kein: „Ein leichter Windhauch wird die Türe gleich ins Schloss fallen lassen.“, sondern mehr ein: „Die Tür kracht mit einem so lauten Knall zu und zermalmt den Türrahmen gleich mit.“ – Sorte von verschlossen.

Wenn ich all diesen Leuten von damals begegne löst das bei mir immer eine Mischung aus Nervosität und Brechreiz aus. Ich werde nicht gerne an früher erinnert und noch weniger will ich daran erinnert werden wie sehr all die Anderen ihr Leben im Griff haben. Die haben alle diesen Plan, dieses große Ziel vor Augen. Entweder ist es veraltet und es ist dasselbe Ziel dass sie damals in mein Poesiealbum geschrieben hatten und sie schleppen es bereits seit der Einschulung mit sich herum, weil Mama und Papa das so wollen. Oder aber, es ist brandneu, gerade irgendwo am Straßenrand aufgeschnappt und mitgenommen. Ich hasse sie, all die Anderen und ihre dämlichen vorgefertigten Pläne! Merkt ihr nicht wie es euch einengt? Keinen Platz für Spontanität lässt? Merkt ihr nicht wie… ach was mache ich mir vor, verdammt, ich hätte auch gerne einen. Eine vorgefertigte Spur auf der ich gerade hin zum Ziel jogge. Während also die Frage zurück zu mir wanderte und sie mich fragte was ich denn jetzt so mache, da zuckte ich nur mit den Schultern, blickte zu Boden und antwortete: „Mal sehen was das Leben so für mich offen hält.“ Es ist eine banale Lüge die lebenslustiger klingt als sie letztlich ist. Schlicht und ergreifend habe ich keinen blassen Schimmer.

Es zieht mich in keine Richtung. Ich weiß woher ich komme, aber weiß weder wer ich wirklich bin und noch weniger wer ich mal sein will. Ich habe Angst davor mich festzulegen für irgendetwas. Ein Leben lang in eine Richtung? Wie fällt das manchen so leicht? Ich interessiere mich für vieles, bei weitem nicht alles. Ich mache viele Sachen gerne, aber nichts davon wirklich gut. Schule lässt sich mit den Worten: „Hauptsache bestanden“ in positiver Form abstempeln und besondere Talente habe ich auch keine. Was soll also aus mir werden, irgendwann? Ich kann nicht ewig in einem Meer von Möglichkeiten schwimmen ohne irgendwo das Ufer zu sehen, das ist nämlich verdammt anstrengend und will ich mit 30 immer noch herum planschen und sehen was kommt? Je länger ich brauche um mich zu entscheiden, desto mehr Türen fallen zu. Also schwimme ich und lasse mich mal an das eine Ufer schwappen, mal an ein anderes, aber wirklich ankommen tue ich nicht. Da erinnere ich mich wieder an diese Freundin von damals und dass sie nur noch ein Semester vor sich hat. Dann wird sie „Irgendwas mit Medien“-Managerin, während ich noch „sehe was das Leben für mich offen hält.“ Bisher war das nicht wirklich viel.

Tatsächlich habe ich diese Freundin von damals bis heute nicht mehr gesehen, aber ich habe gehört dass sie schwanger geworden ist und ihr Studium abbrechen musste. Ich bin nicht schadenfroh, weshalb auch. Ich denke mir nur, dass ich vielleicht doch von Anfang an genau das Richtige gesagt hatte. Das Leben hat seinen eigenen Willen und vielleicht schwimmt es sich doch ganz gut ohne Ziel. Mal sehe ich wie die Sonne am Horizont untergeht und dann tauche ich unter und beobachte was so unter dem Meeresspiegel vor sich geht. Auch wenn es anstrengend ist und zeitweise etwas hilflos wirkt, aber Schwimmen kann ich. Mal mehr, mal weniger gut, aber untergehen werde ich nicht.

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Und so lagen wir wieder hier.

Und so lagen wir wieder hier. Wieder nebeneinander. Wieder die Hände ineinander geschlungen und wieder die Gesichter voller getrockneter Tränen. Es war nicht das erste Mal, dass wir so nebeneinander lagen, um genau zu sein lagen wir so oft nebeneinander, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, dass es jemals anders gewesen wäre. „Es tut mir wirklich leid.“, flüstertest du. Ich konnte nur meinen Kopf zu einem leichten Nicken bewegen, weil mir bei jedem Versuch meinen Mund zu öffnen mein Kinn zitterte. So gern hätte ich gewollt es zu verstehen. Und letztlich wollte ich immer nur, aber konnte nicht. Ich konnte nie verstehen wieso du mich so sehr bei dir haben wolltest, aber mich doch immer wieder von dir stießt und mir diese messerscharfen Worte in mein Herz presstest und dabei selbst ein verquollenes Gesicht von all den Tränen in deinen Augen hattest. Ich wollte wirklich verstehen wie du nach zwei Jahren keinen Funken Gefühle für mich übrig hattest, ich dir aber anscheinend in keiner Sekunde des Tages aus dem Kopf gehe. Ich wollte es wirklich verstehen, aber ich konnte nicht. Und wie so viele Male zuvor ging ich. Ich zog mich an, wir küssten uns ein letztes Mal mit vibrierenden Lippen und ich ging nach Hause. Wie die anderen Male zuvor wollten wir das so erwachsen wie möglich lösen. Wir wollten Freunde bleiben und uns nicht aus den Augen verlieren, aber es beenden, endgültig. Unser endgültig hielt nur noch nie besonders lange, sonst wären wir nicht wieder hier. Wieder nebeneinander. Wieder die Hände ineinander geschlungen. Nur abwartend bis zu einem weiteren letzten Kuss. „Ich kann nicht mit und nicht ohne dich“, endlich macht dieser Satz einen Sinn für mich. Wenigstens ein Endgültig an das ich mich halten kann.

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